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Meinung: Referendum in Kroatien gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz

28.10.2013 - AndrejAdministrator
Diverse Familienkonstellationen Kaum ein (europäisches) Land führte in den letzten Jahren keine politischen Debatten über LGBT-Rechte (englische Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual und Trans). Nicht nur bei uns in Deutschland fragt man sich seit geraumer Zeit, ob man nicht die Ehe als eine staatliche Institution auch für homosexuelle Paare öffnet und ihnen so die Basis gibt, selbe Pflichten und Rechte wie Heterosexuelle wahrzunehmen. Nicht zuletzt ist die Diskussion über Gleichstellung und Akzeptanz auch in Kroatien angekommen.

Inspiriert von den Protesten in Frankreich sammelten ca. dreißig der katholischen Kirche nahestehenden Organisationen fleißig 710.000 Unterschriften, um mit einem Referendum das geplante Partnerschaftsgesetz in Kroatien zu verhindern. Die katholischen Organisationen, die Hauptorganisation „Im Namen der Familie“ (Kroatisch: „U ime obitelji“), appelliert dabei an Jugendliche und Erwachsene auf öffentlichen Plätzen, so auch in der Hauptstadt Zagreb, dass Kinder, die bei Homosexuellen aufwachsen, suizidgefährdet seien. Sie finden auch, dass es nicht gut sei, wenn Kinder im Schulunterricht lernten, dass Homosexualität normal ist. Oft fügen sie noch dazu bei, dass sie aber nicht homophob seien. Ihre Hauptforderung ist die Verankerung der Ehe als exklusive Gemeinschaft zwischen Mann und Frau in der kroatischen Verfassung.
Gegenorganisation wie „U ime svake obitelji" (Deutsch: „Im Namen jeder Familie") setzen sich dagegen konträr für Lebenspartnerschaften und eine spätere Eheöffnung ein.

Seit 2003 gibt es in Kroatien die so genannte „unregistrierte Partnerschaft“, diese hat aber nur den Vorteil, dass den Partnern gegenüber Einzelpersonen erweiterte Rechte, so z. B. beim Erbrecht, gerichtlich eingeräumt werden können. Durch den Zusatz „unregistriert“ erfolgt eine staatliche Registrierung und Anerkennung nicht. Letztendlich ist man auch als Homosexueller in einer „unregistrierten Partnerschaft“ auf kroatischen Formularen ledig.

Mir ist klar, dass Kroatien mit 90% aller Katholiken auch katholisch geprägt ist. Jeder von uns, der Kroatien besucht hat, weiß, dass Kroaten sehr religiös sind und an ihrer Religion festhalten. Das ist auch gut so, aber nur so lang, bis die Rechte von Minderheiten nicht eingeschränkt werden. Das gilt nicht nur für Kroatien. 
Zu behaupten, man wäre nicht homophob und dabei Homosexualität als abnormal zu bezeichnen, nein, das passt einfach nicht. „U ime obitelji“ ist eine Organisation, die versucht, die homosexuelle Minderheit in Kroatien zu unterdrücken, dabei sind solche mit täglichen Übergriffen ohnehin in Kroatien schlecht aufgehoben.

Durch die gesammelten Unterschriften und der rechtmäßigen Gültigkeit dieser Aktion wurde nun das Datum für das Referendum von der kroatischen Regierung verkündet: 1. Dezember 2013. Allerdings muss auch diesem Termin in zweiter Instanz noch zugestimmt werden. Alle wahlberechtigten Kroatinnen und Kroaten sind dabei aufgefordert, über die Frage „Sind Sie dafür, dass in der Verfassung der Republik Kroatien ein Zusatz die Ehe als eine Lebenspartnerschaft zwischen Mann und Frau regelt?“ abzustimmen. Bei einem „Ja“ verhindert man die spätere Eheöffnung und andere Gleichstellungsschritte, so z. B. das Recht auf Eingetragene Lebenspartnerschaften.
Zusätzlich wurde festgelegt, dass für eine Bestätigung durch das kroatische Parlament mindestens 101 Stimmen benötigt werden, im Sabor zurzeit mehr als eine Zweidrittelmehrheit. Offensichtlich will aber die SDP (die kroatische SPD) mit 60 von 151 Stimmen im Sabor, den Wählerwillen notfalls nicht umzusetzen: Die Kukuriku-Koalition mit 81 Sitzen könnte entweder gegen den Verfassungszusatz stimmen oder diese einfach nicht auf die Tagesordnung setzen. Doch hierbei kündigten bereits Medien und konservative HDZ-Politiker an, vor das kroatische Verfassungsgericht zu ziehen und somit die rechtliche Gültigkeit des Referendums zu erzwingen.

Gespalten ist Kroatien ohnehin schon, denn viele erinnern sich gerade bei der momentanen Diskussion an die vor kurzem gefallenen Worte des amtierenden Papstes Franziskus, der eine Diskriminierung von Minderheiten, so auch die der Homosexuellen, im Allgemeinen ablehnt. Und wenn der Papst etwas sagt, dann stimmt das auch.

Was mich immer wieder überrascht, sind die Argumente der homophoben Organisationen: Die Suizidgefährdung ist bei allen Minderheiten im Vergleich höher, da sie der gesellschaftlichen Intoleranz und Verachtung ständig ausgesetzt sind, auch Kinder. So wissen wir, dass Kinder in Schulen mobben und das, was das Zeug hält. Woher sie das Standardargument der Abnormität herbekommen, tja, uns ist ja wohl klar, wie Priester ihre Kirchen jeden Sonntag füllen. Genau aus solchen Gründen ist es meiner Meinung nach falsch, mit Hass und Intoleranz dem „Unbekannten“ entgegen zu kommen. Das Motto müsste folgendes sein „Wir sind ein kroatisches Volk und darauf sind wir stolz, unabhängig von unserer Diversität.“ Vielleicht macht genau diese Diversität das (kroatische) Volk aus.



Es bleibt abzuwarten, wie tolerant sich die kroatische Bevölkerung zeigt. Ich kann nur jeder und jedem Wahlberechtigten ans Herz legen, nicht auf der kroatischen, im Fall der LGBT-Recht auch mittelalterlichen Mentalität zu beharren, sondern sich der Welt zu öffnen, auch volkseigene Minderheiten zu akzeptieren. So wie es die Europäische Union auch am 1. Juli 2013 tat.

Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um die persönliche Meinung des Autors. Durch diesen sollte sich niemand in seiner eigenen Meinungsfreiheit eingeschränkt fühlen.
VGWort-Marke

Kommentare

#1 - 07.11.2013, 17:08
Hallo Crovoc Team,

ja ich bin Schwul und ein grosser Fan von Kroatien. Wer bin ich? ich bin ein ungewohnlicher Brasilianer, der in Deutschland seit 2000 lebt und diese kroatische Sprache so sehr liebe.
Ich denke auch, dass die Kroaten sich langsam für die Welt öffnen konnten. Ihr seid offen für Vieles, Kultur, Sprachen usw. wieso nicht für die Homos. Es braucht nur etwas Mut zu haben, sich zu verändern oder wenn viele Leute auch sich einander helfen, können wir Leute klarheit bringen was das Thema Schwulsein ist.
Ich werde demnächst einen Aufruf statt Unterschriftssammeln und an die Organisationen schicken, schöne wäre wenn Ihr das liest, alle unterschreiben, als Zeichen, dass wir dagegen seid, dass Homosexuellen nicht suizidgefährdet sind. Sie sind Menschen, wie du und Ich, die haben nicht ausgewählt Schwul zu sein, wer wählt freiwillig eine Neigung zu haben? Deswegen wäre lieb wenn Ihr die Facebookseite abrufen konntet und an Freunde weitergeben... ja ich bin klein, vielleich ein Stein auf heissem Stein aber alles im Leben fängt klein an.
Vielen Dank für diese Seite, für den Ausstausch.
MfG
F.Lopes

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